(Hamburg, 28. Januar 2007) Es ist wie im real existierenden ehemaligen Sozialismus: Wenn es um Statistiken geht, ist bei uns großer Jubel angesagt. Will man dem NDR-Fernsehchef Volker Herres glauben, war im Vorjahr alles wieder top: Wir machen nicht nur das beste Programm der Welt, auch die Quote ist super. Schade für ihn, dass er da nicht richtig liegt. Das NDR-Fernsehen konnte auch 2006 den Rückwärtstrend nicht stoppen, es verlor im Norden relativ hohe Markanteile in Folge.
Das NDR-Fernsehen ist nach Bekundungen seiner Programmmacher „ein regionales Vollprogramm mit inhaltlichen Schwerpunkten in der Information“. Es soll „traditionsbewusst, aber auch kreativ, modern und überraschend sein“. Über die bisherige Zuschauerschaft hinaus will man neue Zuschauer aller Altersschichten gewinnen.
Hochgesteckte Ziele, aber leider verfehlt:
Im vergangenen Jahr fielen die Marktanteile mit 7,9 % auf den Stand von vor 1997 zurück. Unter dem früheren Fernsehdirektor Dr. Jürgen Kellermeier und seinem Chefprogrammplaner Michael Wolf Thomas war der Marktanteil über mehrere Jahre gestiegen und erreichte 2004 die TOP-Marke von 8,6 %. Das war dennoch kein Ruhmesblatt: die Quote entwickelte sich zunehmend zum maßgeblichen Kriterium der Programmgestaltung. Kritiker sehen dadurch das öffentlich-rechtliche Moment auch im NDR-Programm schwinden: Information nur häppchenweise, kaum eigene Recherchen, Heimatkolorit bis zum Abwinken.
Hieran änderte auch Volker Herres nichts, nachdem er als Jobst Plog-Schützling 2004 die Nachfolge des pensionierten Dr. Kellermeier antrat. Dessen Schuhe sind – das wurde damals befürchtet und zeigt sich nun deutlich - offenkundig auch im Bezug zur Quote eine Nummer zu groß .
Unter Herres ging die Quotenkurve empfindlich nach unten. In nur zwei Jahren sank der Marktanteil im Sendegebiet (im Gegensatz zu den anderen Dritten) um 0,7 % auf 7,9%, das bedeutet insgesamt ein Verlust von 7%. Selbst die Marktanteile auf das gesamte Bundesgebiet gerechnet (2,8%) waren rückläufig. Der Gewinn jüngerer Altersschichten bleibt ein Wunsch. Gesehen wird das Programm von Zuschauern aus allen Schichten der Bevölkerung, dabei sind Zuschauer der Mittelschicht (mit Traditionswerten wie: „Pflichterfüllung“ und „Ordnung“) überdurchschnittlich repräsentiert. Jüngere gehören zu dieser Gruppe überwiegend nicht.
Jeder Bundesligatrainer müsste sich bei diesem Misserfolg warm anziehen. Für Volker Herres gilt das nicht. Im Gegenteil: Er ist nach wie vor als stellvertretender Intendant im Gespräch.
Das TOP 10-Ranking (2005) führen unangefochten die Landesprogramme an (20,2%).
Hervorzuheben: Für diese Programme sind die Direktoren bzw. Direktorin der Landesfunkhäuser in Niedersachsen, Schleswig-Hostein, Mecklenburg-Vorpommern
und Hamburg zuständig. Volker Herres bleibt hier ausgeklammert.
Es folgen als Nr. 2 und 3 die „Tagesschau“ (15,7%, hierfür ist die ARD zuständig) und die Talkshows am Freitag (14,8%).