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Christian Wulff gelobt Freiheit für den NDR
Master's Voice
Eine Glosse von Horst Mehrmann
(Hamburg, 22. Februar 2006) Christian Wulff, in den NDR-Programmen schier omnipräsenter Ministerpräsident von Niedersachsen, hat öffentlich Besserung gelobt. Die Zeitung "Wir im NDR" zitiert in ihrer Ausgabe Nr. 70/Februar 2006 Wulff mit den Worten: "Auch in Zukunft muss der NDR frei von politischem Einfluss bleiben, um objektiv und unabhängig berichten zu können."
Unser Sonderkorrespondent Horst Mehrmann hat sich Gedanken gemacht…

Master’s Voice

Auf der Mattscheibe bewundert von
Horst Mehrmann

Das wohl beste Fernsehen der Welt kennt keine Grenzwerte für Schadstoffausstoß.Thomas Kühn (war da nicht was mit Kiel und Videokassetten, mit Brokdorf und Barschel?) erscheint auf dem Bildschirm. Er spricht anscheinend einen Kommentar zum Tarifkonflikt im Öffentlichen Dienst. Man solle sich doch nicht so anstellen wegen 18 Minuten am Tag, und überhaupt müssten doch alle kürzer treten.

Ist das wirklich Thomas Kühn? Der ist doch erst vor kurzem, im zeitlichen Zusammenhang mit Gesprächen zwischen den Herren Wulf und Plog, in den AT–Stand, dem Refugium der 40 am höchsten bezahlten NDR-Profis erhoben worden, obwohl doch alle anderen kürzer treten müssen und der NDR Stellen streichen und ganz furchtbar sparen muss.

Nein, dem Inhalt nach trägt dort Herr Möllring, CDU, Finanzminister in Niedersachsen, Verhandlungsführer der Arbeitgeber, seine Position vor. Entweder spricht Herr Möllring im Off, sozusagen als Playback des Herrn Kühn, oder er hat sich gar als Kühn maskiert. Der wahre Kühn hätte ein wenig nachgedacht und sich mindestens ein bisschen gewundert, dass diese einerseits lächerlichen 18 Minuten andererseits so unendlich wichtig für die Rettung der Landeshaushalte sind.

Nein, das war nicht Thomas Kühn. Wenn der 18 Minuten zu spät nach Hause kommt, dann könnte seine Frau (da war doch was, mit privater Nutzung dienstlicher Videokassetten?) eine außerdienstliche Passion vermuten und ihn über Nacht ausquartieren, z.B. in die Kemenate eines Reitstalles - munkelt es auf Lokstedter Fluren.

Ziemlich kühn ist Delling, wenn die Geschichte stimmt, die in Lokstedt herumerzählt wird. Auf dem kürzesten Dienstweg habe er unbekümmert und erfolgreich die Unterbringung seiner Frau mit Anschluss-Rahmenvertrag bei ARD aktuell eingefordert, so die Spekulationen auf Lokstedter Fluren. Und zwar zugunsten des Programms Eins Extra, das bisher von der Öffentlichkeit noch nicht bemerkt worden ist. Dieser Einsatz wäre insofern löblich, als der normale NDR-Hierarch im Zweifelsfalle einfach die Frau tauscht. Ansonsten sagt Delling die Sportschau an, was nicht immer gelingt.

So am Samstag nach Kühn. Delling bemüht sich um ein anderes Wort für die "Bremer Torfabrik". Und schon ist ihm ein weniger abgenutzter Begriff eingefallen: "Tor-Manufaktur". Schade: das ist nun aber Handarbeit. In den 50er Jahren, an denen sich die aktuelle Bundeskanzlerin orientieren will, sagte der Lehrer in solch einem Fall: Zu dumm, setz dich, 5.

Und dann geht’s nach München. Dort steht die neue Allianz-Arena, in der FC Bayern bisher alles gewonnen hat. Und schon sinniert der Moderator, dessen geschäftliche Beziehungen zu einem großen Versicherungskonzern und dessen Tochterunternehmen dit erst unlängst öffentlich wurden: "Bayern und die Allianz-Arena - Hoffentlich wird das keine Allianz für’s Leben".

In manchen Fällen kommt eine Arbeitszeitverlängerung um 18 Minuten einer Leistungsverdoppelung gleich.

Und nun zur Talkshow "Drei nach Neun". Radio Bremen sendet anlässlich der Berlinale aus der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin. Preis: die unvermeidliche Anwesenheit von Premier Wulf in der Talkrunde. Angesprochen auf Berlusconi sagt 1 Exemplar listiger Wulf: nein, diese Mischung aus privater Medien- und politischer Macht, das sei nicht die feine deutsche Art, das läuft hier anders - nämlich eher wie bei Putin, denkt der unbefangene Zuschauer.

Und siehe: Moderator di Lorenzo weist abschließend auf den nächsten Freitagstalk hin, nämlich "Herman und Tietjen". Und er fragt, warum Wulf denn diese Sendung nach Hannover "zwangsverpflichtet" habe? Das bestreitet der gar nicht. Er begründet nur: eine solche Sendung gehöre einfach nach Hannover.
Man sieht: der NDR ist völlig unabhängig von Politik und Sponsoren.

P.S. Wo bleibt der auf Hochglanz gedruckte Protest des Redakteursausschusses?