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Abräumen bei ProSiebenSat1
(Hamburg, 17. Juli 2007) Hunderte von Mitarbeitern sollen bei ProSiebenSat1 auf die Strasse geschmissen werden. Und das alles mit einer furchteinflößenden Logik - der Heuschreckenlogik. Als "ausgemachten medienpolitischen Skandal" wertete der stellvertretende Vorsitzende der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) Frank Werneke, die geplante Entlassungswelle bei „ProSiebenSat1“.

Zwischen 200 und 300 Menschen vorwiegend aus den Nachrichtenredaktionen in München und Berlin sollen dementsprechend entlassen, die Sendungen "SAT 1 am Mittag", "Sat 1 News – Die Nacht" und die 18.30 Uhr-Nachrichtensendung sofort eingestellt werden. "Das degradiert die Sender zu reinen Abspielkanälen", kritisierte Werneke. Dies sei ein "Fall für die Medienaufsicht", die nun mit allen Mitteln prüfen müsse, ob die Sender ihrem Programmauftrag noch nachkämen.


Nach dem Verkauf des Konzerns an die Heuschreckenfirmen KKR und Permira und den Zukauf der skandinavischen Sendergruppe SBS für über 3,3 Mrd €uro drückt die - ansonsten hoch profitablen Sender - schätzungsweise eine Schuldenlast von mehr als vier Milliarden Euro. Um  bei den Ratingagenturen, welche die Kreditwürdigkeit von Unternehmen bewerten, einigermaßen gut dazustehen, muss Pro Sieben Sat.1 offensichtlich mit aller Macht unter Beweis stellen, dass gespart wird, koste es an Renommee, Erfolg im Programm und am Ende auch bei den Werbekunden, was es wolle, so die FAZ in ihrer Einschätzung, auch wenn das Personaleinsparvolumen von 8 Mio € betriebswirtschaftlich nichts bringt.


Und was unternimmt die Politik?

Zum Beispiel Herr Müntefering, der noch im letzten Bundestagswahlkampf den „Heuschrecken“ den Kampf angesagt hatte? Es war wohl nichts anderes als billiger Populismus. Er schaut  mal wieder zu, vermutlich mit Frau Merkel und Herrn Steinbrück oder spielt Tennis, während erneut Hunderten von Menschen die Existenzgrundlage entzogen wird.


Und wer sind die Investoren, die letztlich den Schutz der Politik genießen?
Sie nennen sich „private equity“, private Kapitalbeteiligungen. Zu „Permira“ gehören zum Beispiel Iglo, Takko, Unilever.

KKR hält nach eigener Aussage Beteiligungen an Industriefirmen gewöhnlich für den Zeitraum von etwa fünf Jahren. In dieser Zeit wird die Firma profitabel gemacht und mit den Erträgen das für den Kauf aufgenommene Fremdkapital bedient. Nach erfolgter Restrukturierung wird die Firma im Rahmen eines „Exits“ regelmäßig wieder verkauft.

So kaufte KKR im Jahre 2000 für 400 Mio $ die „Privaten Netze“ von Bosch, einem Unternehmen mit 9000 Mitarbeitern. Vier Jahre später erfolgte der Verkauf für 635 Mio $ und einem um 40% geminderten Personalbestand. Fit machen heißt das, bis zum Exitus.