Diskussion erwünscht
Tarifpolitik im NDR - Solidarität mit den Studio Hamburg-Beschäftigten
Olaf Bannert auf der Personalversammlung am 16. Dezember 2002
(Hamburg, 19. Dezember 2002) Vor dem Hintergrund der dramatischen Situation bei Studio Hamburg und dessen Tochterunternehmen – allein im Bereich der zentralen Videotechnik erhalten in diesen Tagen 17 Personen die Kündigung – haben wir darüber nachgedacht, welchen Beitrag wir leisten könnten, um den Kolleginnen und Kollegen dort dieses traurige Schicksal zu ersparen? erhalten in diesen Tagen 17 Personen die Kündigung – haben wir darüber nachgedacht, welchen Beitrag wir leisten könnten, um den Kolleginnen und Kollegen dort dieses traurige Schicksal zu ersparen?
Appelle an das Gewissen der verantwortlichen Geschäftsführung sowohl beim Studio Hamburg als auch im NDR reichen offensichtlich angesichts der dramatischen Auftragsrückgänge bei Studio Hamburg nicht aus. Die Auffassung, das konforme Marktverhalten dort sei der Preis für unsere sicheren Arbeitsplätze im NDR können und wollen wir nicht teilen, wir halten sie für zynisch.
Auf der Personalversammlung in Hamburg am 16. Dezember stellte Olaf Bannert deshalb eine Idee zur Diskussion, die einen Tag danach allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des NDR als mail zugegangen ist. Ziel dieser Überlegung ist es, unter Verzicht auf zukünftige Einkommenszuwächse (Gehaltstariferhöhungen) Arbeitszeitverkürzungen zu erreichen, die in der Folge die Zahl der Planstellen im NDR erhöhen sollen, um Kolleginnen und Kollegen von Studio Hamburg im NDR einen sicheren Arbeitsplatz zur Verfügung stellen zu können.
Zu diesem Vorschlag würden wir gerne Eure Meinung wissen und bitten Euch deshalb um rege Beteiligung an der Diskussion. Platz dafür findet sich im Forum "Verband NDR" (auf der rechten Navigationsleiste "Forum" anklicken).
Ver.di 19. Dezember 2002
Etwas Nachdenkliches zur Weihnachtszeit
Mehr als 140 Personen mussten Studio Hamburg bzw. eins seiner Tochterunternehmen bereits verlassen oder erhalten in den nächsten Tagen die Kündigung. Darunter sind Menschen, die in besseren Zeiten – seit zum Teil 20 Jahren und mehr – in nicht unerheblichem Mass zur ehemals guten Ertragslage dieser Firmen beigetragen haben.
Verantwortlich für deren berufliches Schicksal sind in letzter Konsequenz die gleichen Personen, die auch für die Geschicke des NDR und dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Verantwortung tragen: An vornehmster Stelle der Intendant.
An ihn die Frage: Geht es nicht anders? Ist auch Studio Hamburg gezwungen, auf wirtschaftliche Krisen genau so phantasielos zu reagieren, wie wir es allerorten in der Wirtschaft bedauerlicherweise antreffen?
Warum gibt es keine Alternativkonzepte, mit denen man sich gegebenenfalls an die tarifschliessenden Gewerkschaften wenden könnte, denn unter den von Kündigung Betroffenen befinden sich Beleuchter, Cutter, Bild- und Tontechniker, Kolleginnen und Kollegen also, deren Qualifikation der unsrigen durchaus vergleichbar ist.
Und an uns die Frage: Welcher Solidarität sind wir fähig, Kolleginnen und Kollegen? Wären wir z.B. bereit, zugunsten einer Arbeitszeitverkürzung auf weitere Gehaltszuwächse zu verzichten?
Zur Verdeutlichung folgende Rechnung: ver.di fordert für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst Einkommenserhöhungen in der Grössenordnung von 3%. Unterstellt, dies liesse sich realisieren, dann würde nach Auslaufen unseres Gehaltstarifvertrages Ende nächsten Jahres ein gleich grosser Prozentsatz zur Erhöhung unserer Gehälter zur Verfügung stehen. Verkürzte man jedoch stattdessen die Arbeitszeit um 3%, so ergäbe dies bei derzeit 38,5 Wochenstunden eine Reduktion von fast 70 Minuten pro Woche, was bei 3.500 Planstellen im NDR mehr als 4.000 Stunden pro Woche oder, anders ausgedrückt, bei einer Wochenarbeitszeit von dann 37,5 Stunden mehr als 100 zusätzlichen Arbeitsplätzen entspräche.
Auch wenn diese Rechnung grob vereinfachend war, so verdeutlicht sie dennoch, welches Potential in Arbeitszeitverkürzungen steckt.
Kritikern solcher Überlegungen möchte ich an dieser Stelle sagen, erspart euch die Kritik, solange ihr nicht in der Lage seid, bessere Alternativen vorzuschlagen, ihr setzt euch nämlich sonst dem Verdacht des „weiter so, wie bisher“ aus, und dies darf auf Dauer nicht die einzige Option bleiben.
Hamburg, der 15. Dezember 2002
Olaf Bannert, Mitglied im ver.di-Vorstand des NDR