Offener Brief an den Rundfunkrat und Verwaltungsrat von Radio Bremen
Keine Entscheidung über den Standort ohne Betriebskonzept
Das "Standortgutachten" basiert auf betriebspolitisch, medienpolitisch und personalpolitisch fragwürdigen Voraussetzungen
Die Leitung von Radio Bremen und das Land Bremen haben ein Gutachten in Auftrag gegeben mit dem Ziel, eine Empfehlung über den künftigen Standort von Radio Bremen zu erhalten. Die Analyse dieses jetzt vorliegenden Gutachtens zeigt, dass dort ein Konzept über die künftige Struktur von Radio Bremen zugrundegelegt wird, das weder in betriebspolitischer noch in medienpolitiscehr oder personalpolitischer Hinsicht diskutiert worden ist. Dagegen wendet sich Anfang September 2001 ver.di in Radio Bremen in einem offenen Bríef.
Offener Brief des Betriebsverbandes ver.di bei Radio Bremen an die Mitglieder des Rundfunkrates und des Verwaltungsrates
„Zukunftsperspektiven für Radio Bremen – Entwicklungs- und vergleichende Standortanalyse“, dies ist der Titel des jüngsten Gutachtens, das der Entscheidung über einen eventuell neuen Standort von Radio Bremen zu Grunde gelegt werden soll.
Der Betriebsverbandsvorstand von ver.di bei Radio Bremen hat das Gutachten erörtert und wie folgt bewertet:
Obwohl das Gutachten nur eine Empfehlung für die Entscheidung über den künftigen Standort geben soll, liegt ihm implizit ein völlig neuartiges Betriebskonzept zu Grunde.
Radio Bremen wird unterteilt in einen Kernbereich und einen sogenannte „Nicht-Kernbereich“. Dieser zweite Bereich soll aus Abteilungen von RB gebildet werden, die „in operativ eigenständige Gesellschaften auszugliedern“ sind, so heißt es in dem Gutachten wörtlich. Die Gutachter beziehen sich dabei auf ein bislang unbekanntes Konzept der Leitung von Radio Bremen.
Wovon in diesem Gutachten nicht die Rede ist, sind diejenigen Bereiche, die vollständig abgeschafft werden, die folglich auch in einem künftigen Medienzentrum – so offenbar die Vorgabe der Leitung von Radio Bremen – keinen Platz benötigen.
- Dieses Betriebskonzept – einschließlich eines entsprechenden Personalkonzeptes – ist im Rahmen der Mitbestimmung bisher nicht mit dem Personalrat und den im „Bündnis für Arbeit und Programm“ ebenfalls vertretenen Gewerkschaften abgestimmt worden.
- Es fehlt bislang jeglicher Nachweis, dass diese Ausgliederungen betriebswirtschaftlich sinnvoll sind.
- Es fehlt jede inhaltliche, medienpolitische Begründung, welche Betriebsteile zum Erhalt des öffentlich-rechtlichen Profils von Radio Bremen notwendig sind.
- Das Gutachten, das von der Leitung von Radio Bremen und dem Land Bremen in Auftrag gegeben worden ist, macht den zweiten Schritt vor dem ersten Schritt.
Die Frage, ob ein Umzug an einen gemeinsamen Standort betriebswirtschaftlich überhaupt zweckmäßig ist, wird nicht gestellt. Es wird wie selbstverständlich von der Entscheidung ausgegangen, dass die beiden Betriebsstätten von Radio Bremen zusammengelegt werden.
Ver.di hält vor der Entscheidung über einen eventuellen Umzug die Erarbeitung eines schlüssigen Betriebskonzeptes für dringend erforderlich.
Wir verlangen eine klare Aussage darüber,
- welche Programme im Hörfunk und im Fernsehen Radio Bremen im Jahre 2006 noch produzieren will,
- mit wie vielen MitarbeiterInnen wir diese Programme herstellen,
- wie die Zukunft aller MitarbeiterInnen aussieht und
- dass Radio Bremen den Personalabbau sozialverträglich durchführen wird, ohne dass es zu betriebsbedingte Kündigungen kommt.
Verhandlungen über solch ein Betriebskonzept müssen schnellstens aufgenommen werden, damit die sich daraus ergebenden Folgen für das Personal in den Sozialplanverhandlungen berücksichtigt werden.
Erst danach kann sinnvoll über einen möglichen Standort von Radio Bremen entschieden werden.
So wichtig die Anstrengungen des Landes Bremen, einen Beitrag zum Erhalt des öffentlich-rechtlichen Senders Radio Bremen zu leisten, auch sein mögen, so unmissverständlich möchten wir an dieser Stelle eines erklären:
Die Zukunft der MitarbeiterInnen bei Radio Bremen darf nicht für eine Stadtteilentwicklung geopfert werden.
Ver.di Betriebsverband bei Radio Bremen
Monika Grüning
Gesine Kellermann
Meinhardt Bräutigam
Burghard Rausch
Stefan Pulß